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Rue de Blamage

NZZ / Feuilleton von Alfred Schlienger vom  5.4.2017

Rue de Blamage» führt seine Figuren nicht vor, so sehr sie am Rand der Gesellschaft leben mögen. Gleichzeitig heroisiert er sie nicht. Er begibt sich auf Augenhöhe und schafft so eine berührende Nähe, auch zum Befremdlichen. Gugolz lässt bildhafte Fundstücke kommentarlos für sich selber sprechen.

Man sollte nicht zuwarten, bis dieser subtil gestaltete Film im Fernsehen gezeigt wird. Die grosse Leinwand tut ihm ausnehmend gut. Bei der Premiere an den diesjährigen Solothurner Filmtagen, wo er für den Prix de Soleure nominiert war, war «Rue de Blamage» einer der am heftigsten beklatschten Filme.




Die Rue de Blamage ist eine lärmige Ausfallstrasse am Rand von Luzern. Wer an dieser Strasse seine Bleibe findet, lebt nicht im Rampenlicht der Gesellschaft. Ein drogenabhängiger Strassenmusiker versucht, sein Leben als Vater in den Griff zu bekommen. Eine syrische Flüchtlingsfrau bangt um ihre Tochter. Eine Bordellbesitzerin hat es satt, sich jede Nacht dieselben Geschichten anzuhören. Ein lärmgeplagter Künstler dokumentiert mit Fernglas und Kamera das Alltagsgeschehen vor seinem Atelierfenster. Und Heinz, der pensionierte Strassenreiniger, gibt ihm die Inspiration für sein neustes Werk.